Wirbelsäulenbeschwerden und ihre Behandlungsmöglichkeiten

Rückenschmerzen, Hexenschuss, Bandscheibe, Ischias, Iliosakralgelenk (ISG), Facettengelenke, Muskelverspannungen, steifer Nacken, Schiefhals, Skoliose: Der Rumpf des menschlichen Körpers besteht aus einem im Vergleich zum Körpergewicht nur sehr dünnen Stützorgan, der Wirbelsäule.

kopf rechtshalswirbelsäule von hinten linksDiese besteht aus insgesamt ca. 29 Wirbeln, 7 Hals-, 12 Brust-, 5 Lenden- und 4-6 Kreuzbeinwirbeln, die aber knöchern verwachsen sind. Jeder Wirbel hat einen vorderen, klotzartigen Anteil, den Wirbelkörper und einen hinteren bogenartigen Anteil, den Wirbelbogen mit den kleinen Wirbelgelenken. Beide umschließen schützend den Wirbelkanal, in dem sich das Rückenmark und sein Ausläufer, also die Hauptnervenbahnen befinden. Jeweils zwischen 2 Wirbelkörpern befindet sich eine so genannte Bandscheibe, die die Beweglichkeit des vorderen Anteils der Wirbelsäule ermöglicht und die Belastung abpuffert. Diese besteht aus einem Faserring, eher für die Stabilität zuständig und einem gallertartigen Kern, eher für die Elastizität zuständig. Gelenkverbindungen hat die Wirbelsäule nur zum Kopf, zu den einzelnen Rippen und zum Becken, ansonsten nur jeweils zwischen den übereinander liegenden Wirbeln.

Abb. oben: a) Schädel mit Kiefergelenk; b) Halswirbelsäule


Abb. unten: a) Lendenwirbelsäule mit Becken; b) untere Lendenwirbelsäule

lendenwirbelsäule von hinten linkslendenwirbelsäule becken links hinten Umgeben und damit stabilisiert wird die Wirbelsäule von festen Bändern sowie von der Rumpfmuskulatur. Hier gibt es gerade und schräg verlaufende Muskelgruppen, teilweise lange, weite Bereiche überspannende Muskeln, teilweise auch kurze, nur an der einzelnen Wirbelsäulenetage ansetzende Muskeln. Alle diese Muskeln halten, stabilisieren und bewegen die Wirbelsäule und damit den Rumpf.Jeden dritten Erwachsenen in Deutschland plagen Rückenschmerzen. Bei drei Millionen Bundesbürgern ist der Zustand bereits chronisch geworden. Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 100.000 Bandscheibenoperationen durchgeführt – nicht alle bringen den erhofften Erfolg. Selbst dann gibt es noch neue, moderne Therapieverfahren, die verhindern, dass der Schmerz zum lebenslangen Schicksal wird.


Dabei sind die Ursachen für diese Schmerzen so vielfältig wie die Strukturen, die Einfluss auf Haltung und Statik des Rumpfes haben:

- Fehlstellung oder Fehlhaltung zur Seite (z.B. Skoliose)

- Fehlstellung oder Fehlhaltung nach vorn oder hinten (z.B. Hohlkreuz, Flachrücken, Buckel)

- Drehfehlstellung oder -fehlhaltung (z.B. bei Skoliose)

- Muskelverkürzungen

- Muskuläre Dysbalancen

- Muskelschwächen

- Muskelfunktionsstörungen mit Muskelverspannungen, Trigger

- Instabilitäten der Bandsysteme

- Reizzustände der Bandsysteme

- Verschleiß der Bandscheiben

- Höhenverlust der Bandscheiben

- Bandscheibenvorwölbungen oder Bandscheibenvorfälle

- Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke, der Facettengelenke - Blockierungen der einzelnen Gelenke der Wirbelsäule, zu den Rippen, zum Hinterkopf oder zum Becken (ISG)

- Reizzustände dieser Gelenke

- Reizzustände der Nervenstrukturen, mit oder ohne Ausstrahlung in Arme oder Beine, mit oder ohne Schwäche, Sensibilitätsstörung oder Reflexveränderung

- Nervenkompression, also Druck auf den Nerv durch Bandscheibe, knöcherne Vorsprünge bei Verschleiß oder Narben. Mit oder ohne Ausstrahlung in Arme oder Beine, mit oder ohne Schwäche, Sensibilitätsstörung oder Reflexveränderung

- Echte Nervenschädigungen aus den gleichen Gründen oder durch eine primäre Nervenproblematik. Mit oder ohne Ausstrahlung in Arme oder Beine, mit oder ohne Schwäche, Sensibilitätsstörung oder Reflexveränderung

- Osteoporose

- Infektionen

- Tumoren

- u.a.

WS-Darstellung1Abb. links: b) Halswirbelsäule, c) Brustwirbelsäule, c) Lendenwirbelsäule jeweils seitlich von links betrachtet

Aufgrund der vielen oben genannten Ursachen für Rückenbeschwerden und der komplexen anatomischen Voraussetzungen der Wirbelsäule ist eine exakte Untersuchung und Diagnostik bei solchen Beschwerden erforderlich.Dazu gehört in erster Linie eine ausführliche Anamnese des geklagten Schmerzes:Seit wann, wie stark und wie überhaupt, wobei aufgetreten, plötzlich oder langsam zunehmend, gleich bleibend oder wechselnd, wann, am Tag oder in der Nacht, bei oder nach Belastung oder eher in Ruhe, im Liegen, Sitzen, Stehen oder Gehen, wie stark, lokal begrenzt oder ausstrahlend, wenn ja, wohin genau, mit oder ohne Kraftdefizit, mit oder ohne Sensibilitätsstörung, erstmalig oder früher schon mal da gewesen, welche Haltung entlastet oder verstärkt das Problem, was geht halbwegs, was gut und was gar nicht, worin sieht der Patient Ursache, Grund, Auslöser der Schmerzen?

Anschließend erfolgt eine genaue Untersuchung: Stand des Beckens und der Wirbelsäule, Haltung, Beweglichkeit, Muskelspannung, Druckschmerz, Bewegungsschmerz, Kraft, Sensibilität, Reflexe, verschiedene Funktionstests, aber auch Beweglichkeit der Hüftgelenke, Dehnbarkeit der Oberschenkelmuskulatur, Beinachsen, Stellung der Füße, Kiefergelenksfunktion, Passform der Zähne und weitere Untersuchungen sind hier von Betracht.

Kann eine wesentliche Schädigung von anatomischen Strukturen ausgeschlossen werden, es liegt also nur eine Funktionsstörung vor, so besteht die Möglichkeit einer chirotherapeutischen Behandlung (Knacken), die aber immer möglichst sachte und vorsichtig durchgeführt wird, um Folgeschäden sicher auszuschließen. Oft kommt es bereits durch eine solche Behandlung zu einer schnellen Beschwerdelinderung.Kann eine Schädigung der anatomischen Strukturen nicht ausgeschlossen werden oder ist sie sogar wahrscheinlich, ist eine weiterführende Diagnostik unerlässlich. Hier kommt in erster Linie eine kernspintomographische Untersuchung in Frage, die Informationen liefern kann über den Zustand der Bandscheiben, Weite oder Enge des Rückenmarkkanals, Zeichen einer Entzündung oder einen Verschleiß der Wirbelgelenke. Auch Schädigungen im Knochen können so gut diagnostiziert werden.

Weitere diagnostisch sinnvolle Möglichkeiten bestehen ggf. in Röntgenuntersuchungen, Knochendichtemessung, Szintigraphie und nicht zuletzt auch einer 3-D-Wirbelsäulenvermessung. Diese sollte in einer Phase durchgeführt werden, in der die Beschwerden eher gering sind, da durch Schmerzen Fehlhaltungen durchgeführt werden, die das Messergebnis erheblich beeinflussen würden.

Wirbelsäule 2Abb. links: a) Gesundes Wirbelsäulensegment mit normaler Bandscheibe, b) Verschleiß eines Wirbelsäulensegments mit aufgebrauchter Bandscheibe und daraus folgender deutlicher Einengung des Nervenaustrittskanals

Therapieansätze bei Wirbelsäulenbeschwerden können sein:

- Mehr Bewegung

- Weniger Belastung

- Gewichtsabnahme

- Bandagen

- Physiotherapie: Krankengymnastik, manuelle Therapie, Bewegungstherapie

- Muskelkräftigung

- Physikalische Therapie: Wärme, Kälte, Elektrotherapie, Ultraschall

- Magnetfeldtherapie

- Triggerpunktbehandlung

- Stoßwellentherapie

- Akupunktur

- Veränderung von Statik und Funktion (z.B. Beinlängenausgleich, Einlagen)

- Einnahme von entzündungshemmenden Wirkstoffen (Omega-3-Fettsäuren, Teufelskralle)

- Einnahme von homöopathischen Medikamenten

- Einnahme von Analgetika (=Schmerzmittel, z.B. Aspirin, Paracetamol)

- Einnahme von NSAR (=nicht steroidale Antirheumatika, z.B. Diclofenac, Ibuprofen)

- Einnahme von Steroiden (=Cortisonpräparate), sinnvoll nur bei starken Entzündungen in mehreren Gelenken, z.B. bei rheumatischen Gelenkbeschwerden

- Injektionen mit hömöopathischen Medikamenten (z.B. Traumeel)

- Injektionen mit Hyaluronsäure (=Hahnenkamm) an die kleinen Wirbelgelenke, wirkt symptomatisch gegen den Schmerz, verbessert die Schmierfähigkeit des Gelenkes, ist Bestandteil des Gelenkknorpels, soll den weiteren Knorpelabbau verlangsamen, bringt aber keinen Knorpelaufbau

- Injektionen mit Steroiden (=Cortisonpräparate) an die kleinen Wirbelgelenke oder in den Rückenmarkkanal, sinnvoll nur zur Entzündungsbehandlung, zur Linderung des Reizzustandes, keine sinnvolle Dauerbehandlung

- Injektionen mit Interleukin-Ia-Rezeptor-Antagonisten (Orthokin) an die kleinen Wirbelgelenke oder in den Rückenmarkkanal zur Entzündungsreduktion und zur Verringerung des Reizzustandes

- Verödung der Nervenendigungen an den Facettengelenken oder des Bandscheibenringes

- Verdampfen des Bandscheibenkerns

- Mikrochirurgische Operationen (Schlüssellochtechnik) zur Entfernung des Bandscheibenvorfalls

- Offene Operationen (Bandscheiben-OP, Erweiterung des Rückenmarkkanals, Stabilisierung von Instabilitäten, Implantation eines Bandscheibenersatzes, Versteifung einer Wirbelsäulenetage)

Ziel einer Behandlung von Rückenbeschwerden wird in vielen Fällen dennoch nicht sein können, den Patienten für immer komplett von seinen Beschwerden zu befreien, denn fast jeder, der einmal Rückenschmerzen hatte, wird sie irgendwann wieder bekommen.Daher ist ein Konzept bei der Behandlung wichtig, das zusätzlich zu den ärztlichen Tätigkeiten auch die Physiotherapie, evt. die Tätigkeit des Orthopädiemechanikers, besonders aber auch die Eigeninitiative des Patienten beinhaltet, damit in Zukunft die Beschwerden seltener und weniger stark auftreten und kürzer anhalten.

WS-Injektion 1WS-Injektion 2Abb. links: a) Typische Injektionstherapie bei Bandscheibenvorfall oder Enge des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose), b) typische Injektionstherapie bei Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Spinalkanalstenose)

Typische Behandlungsverläufe, wie sie in unserer Praxis durchgeführt werden, können Sie den Unterpunkten im Menu links entnehmen.